Solidarität im Alpinismus?

Nach einigen Gesprächen mit Bergführern von Südtirol wurde mir eine Art des Sicherheitsdenkens erstmals bekannt, die ich vorher noch nie erlebt habe. Vielleicht ist das, wie Ernst Mayerl schreibt, eine nationale Angelegenheit, aber ich denke dass es wert ist, darüber zu sprechen.

Solidarität und Alpinismus hieß das Thema von einem Giuliano Stenghel und dem Heinz Grill. Mein Südtiroler Kollege musste mir alles übersetzen, da ich kein Italienisch spreche und mir diese Eigenart der Italiener, die mehr auf einen guten Normalhaken setzen, als auf einen Bohrhaken, schon sehr fremd ist. Aber ganz lässt mich dennoch diese Mentalität dieser Italiener nicht los. Sie sagen, dass es eine schlechte Erziehung sei, wenn man den Bergsteiger mit Bohrhaken so gut sichert, dass er nicht einmal mehr die Augen beim Einklinken des Karabiners öffnen muss. Die Veranstaltung jedenfalls von Alpinismus und Solidarität brachte zum Vorschein, dass die Sicherheit des Bergsteigers steigt, wenn er solidarisch mit seinen unterschiedlichsten Kameraden verbunden ist. Es gibt sogar in Italien Chöre, die diese Solidarität besingen und sie als Teil zum Bergsteigen und zur Sicherheit mitwerten. Hunderte von Leuten hatten diese Veranstaltungen besucht und es geht sogar noch weiter. Man will die Personen zur Zusammenarbeit bringen und Unfälle vermeiden.

Ich selbst bin von deutscher Mentalität geprägt und für mich ist der sichere Bohrhaken mehr als eine alt gewordene Sanduhrschlinge. Eines ist mir aber bewusst geworden, und das ist, dass man Menschen, die anders denken, nicht einfach verurteilen kann. Die Sanduhrschlinge mag vermutlich dem Einzelnen die Augen etwas weiter öffnen als die Bohrhaken, denn er muss gezwungenermaßen, um nicht abzustürzen, diese nach Steinschlagschäden untersuchen. Ein Bohrhaken bleibt trotz Steinschlag stabil. Ich habe noch nie einen ausgebrochenen Bohrhaken vorgefunden, aber die Idee, dass man durch gegenseitige Kenntnis und Aufmerksamkeit Unfälle verhüten kann, ist mir erstmals durch die Südtiroler und die Aktionen von Gogna, Grill, Rabanser und den eher konservativ geprägten Kletterern von Italien bekannt geworden. Einer erwähnte in einer öffentlichen Diskussion, dass früher sogar Emilio Comici Personen bestellte, die sein Bergunternehmen von unten begleiteten und darüber Verantwortung trugen, dass oben am Berg alles gut geht. Tal und Berg wurden auf diese Weise verbunden, so erwähnte es der Südtiroler Spitzenkletterer Ivo Rabanser.

Nach Edli und auch einigen anderen Freunden waren die Veranstaltungen in Italien von den Skandalen des Rosenheimer Bergbundes und ihrer Zusammenarbeit mit der Kirche geprägt. Im Rosenheimer Bergbund, ich hab das ja selbst auch durch die Initiatoren, wie sie daran beteiligt sind, erfahren, wurden Leute ausgeschlossen und es wurde ihnen das Wortrecht untersagt, da sie die Touren von Heinz Grill gut finden und man diese Meinungsfreiheit nicht haben dürfe. Im Rosenheimer Bergbund lief eine Hygieneaktion, alle Artikel und Daten die es von Heinz Grill gibt, zu löschen. Einige Fanatiker, die mich ständig mit Drohgebärden bedrängen, wollen von mir, dass es, wenn es um die Touren von Arco geht, keine Meinungsfreiheit mehr geben dürfe. Die Aktion, dass Bohrhaken schließlich herausgeschraubt wurden, um Unfälle zu provozieren und diese dem Grill anzuhängen, führe ich auch auf solchen Fanatismus zurück, wie er im Rosenheimer Bergbund und in dem Glaubenskrieg des Sektenreferenten Axel Seegers gegen Heinz Grill angewendet wird. Auch wenn ich glaube, dass diese Personen an diesen Aktionen nicht beteiligt waren, sondern Dritte diese ausgeführt haben. Die Veranstaltung, Alpinismus und Solidarität ist deshalb für viele eine Sympathieerklärung für Grill und seine Bergführerkollegen. Ich selbst finde es übrigens scheußlich, wenn man auf Glaubenswegen in anderen einen Fanatismus entzündet und dann auf dem alpinen Sportgebiet einen regelrechten Untergrundskampf verursacht. Der Rosenheimer Bergbund müsste sich wohl einmal die Frage stellen, welcher Person er mit dem Sektenreferenten Seegers auf den Leim gegangen ist und jetzt auf diesem Leim wie ein armer Vogel festklebt. Unter Bergsteigern habe ich jedenfalls noch nicht einen solch blödsinnigen Kampf erlebt.

Stattdessen gab es beim Bergsteigen immer einen Wettlauf um die Erstbegehungen. Hierzu wurden sogar schon Telefone abgehört. Zum Beispiel als Hans Steger den Südpfeiler in der Marmolada machen wollte, hörte die Freundin von Micheluzzi in der Telefonzentrale das Gespräch ab und Micheluzzi stieg als Erster ein. Bitte, ein fairer Wettkampf wäre es, wenn man sich um ordentliche Leistungen bemühen würde und nicht Leute indoktriniert über Glaubensfragen von Gut und Böse. Ich habe Heinz Grill nun in Bamberg beim Vortrag erlebt und bin von seiner freien und vor allem verantwortlichen Haltung, trotz anfänglicher heftiger Bedenken, überzeugt. Ich will mir von Dritten, wie zum Beispiel Axel Seegers, nicht mehr meine Meinung bilden lassen. Solidarität im Alpinismus? Kann dies Unfälle verhüten? Ich selbst habe einen Freund verloren und reflektiere nun einmal von dieser Seite das Unfallgeschehen.

Herzlichst Bernd

2 Kommentare zu „Solidarität im Alpinismus?

  1. Kann Solidarität im Alpinismus Unfälle verhindern? Nach meiner Meinung schon. Die Aufmerksamkeit und Präsenz des Kletterpartners kann einem Sicherheit geben und im Gegenteil, wenn der Kletterpartner am Standplatz träumend sichert fühlt man sich unsicher. Wer schon einmal die Stimmung erlebt hat, wenn von der Bergstation der Bahn zur Langkofelscharte die Seilschaften im Wettlauf zum Einstieg der Daumenkante laufen, um als erster am Einstieg zu sein, der weiß wie sich ein solcher Konkurrenzkampf auswirkt. Die Spannung und Nervosität raubt einen jede Sicherheit. Jeder Griff kommt einem brüchig vor und man tastet wie blind im Fels herum.
    Bei der Erstbegehung der Via Colaborazione am Spiz di Lagunaz mussten wir ein unbequemes Bivak beziehen und schliefen die Nacht kaum. Am nächsten Tag fanden wir fast intuitiv die ideale Linie und kletterten mit großer Sicherheit, Schnelligkeit und Leichtigkeit zum Gipfel. Dies war möglich, weil eine einstimmige Solidarität unter uns herrschte Jeder von uns drei war ganz bei der Sache und unterstützte die anderen. Und sicher trugen auch die Freunde, die uns aus dem Tal beobachteten, an uns dachten und mit um den Erfolg fieberten, zu dem guten Gelingen bei. Bei Heinz Grill habe ich erlebt, wie er, ähnlich wie bei dem von Bernd beschriebenen Beispiel von Comici, Personen mitnimmt, die dann von unten aus die Kletterei gedanklich unterstützen. Alle Beteiligten tragen nach ihren Möglichkeiten zur Sicherheit, zum guten Gelingen und Ausgang eines Bergunternehmens bei.

    Franz Heiß

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  2. Lieber Herr Bernd,
    ich bin froh, dass Sie Ihre polarisierende Stellung aufgegeben haben und das Niveau Ihrer Seite nicht mehr gar so polemisch ist. Werden Sie Bergführer, Sie haben sicher das Zeug dazu.
    Hannes W.

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