Freiheit versus Sicherheit. Unterschiedliche Mentalitäten am Berg.

Italiener denken anders als Deutsche, Schweizer und Österreicher.

Für die Schweiz ist jeder glänzende Bohrhaken ein Fortschritt. Sanduhrschlingen, ganz besonders diejenigen in gebohrten Sanduhren, sind für den Schweizer sicherheitswidrig, da sie schwer ausgewechselt werden können. Nur wer ein Messer zur Hand hat, kann diese Schlingen aus den eng gebohrten Löchern ersetzen.

In Österreich gibt es extra einberufene Kommissionen für die Restaurierung von Touren. Die Arbeit von Pit Schubert (jetzt neu besetzt durch Dieter Stopper) und seinen Mitwirkenden halte ich für außerordentlich klug. Ein zu viel an Bohrhaken erschreckt mich und ganz besonders wenn diese in den geliebten Klassikern einmal die Augen blenden. Bohrhaken jedoch an den neuralgischen Punkten ist für unsere Zeit gut und als Bergführer weiß ich dies in besonderem Maße zu schätzen.

Franzosen sind im Sicherheitsdenken und in der Eröffnung von Touren streng und lassen nur Personen, die Lehrgänge abgelegt haben, Routen eröffnen. Für Bergführer ist das kein Problem, denn man geht in Frankreich automatisch davon aus, dass ein Bergführer um die Sicherheit seines Gastes besorgt ist. Der Italiener dagegen diskutiert die Freiheit als Wertkriterium des Alpinismus und sagt ganz einfach, dass die Selbstverantwortung größer ist als es die offizielle Ausrüstung der Tour darstellt. Obwohl Italien das schärfste juristische System in Sachen Fahrlässigkeit besitzt und ein Österreicher, der einen Unfall in Italien macht, ganz besonders als Bergführer, sich besser auf seine heimische Justiz verlässt, so wertet doch gleichermaßen der Italiener die Selbstverantwortung und die eigenen Kenntnisse und Erfahrungen, die am Berg erworben werden, wichtiger.

Wenn Alessandro Gogna und Heinz Grill in öffentlichen Tagungen in Italien diskutieren, gebe ich zu bedenken, dass es große mentale Unterschiede gibt. Als Bergführer weiß ich die Umstände einzuschätzen und ich kann entscheiden, ob ich eine Schlinge belaste oder nicht. Weiß dies jedoch der Laie? Kann der Laie mit Freiheit am Berg umgehen? Wo liegt die Grenze zwischen Selbstverantwortung und vorgefertigter Plaisiertour?

Ich gehe übrigens gerne in die Touren von Heinz Grill, sie sind schön, sauber und sicher. Eine Erfahrung vom Alpinistischen darf jedoch jeder, der einsteigt, mitbringen. Dies gilt ganz besonders in den Routen wie der Apollo in Padaro und anderen. Ein Sturz durch leichtfertiges Hineinklettern, kann jederzeit eine 10m Grenze überschreiten. Ich würde jedenfalls für die Touren eine Zusatzbewertung für das Risiko von 1-5 zusätzlich erstellen. Es gibt Touren von Heinz Grill die das Risiko bis 3 betragen, das heißt dass größere Sturzhöhen jedoch nicht Kapitalstürze durchaus möglich sind. Dies gilt besonders für seine Routen am Daino, wie die mittlerweile zum Klassiker gewordene Angelo oder die benachbarten Routen.

Macht mit euren Fragen weiter und lasst Euch durch die Lästereien und von dem unseligen Geschwätz der Fanatiker, die sicher noch gar nicht richtig am Berg waren, verunsichern.

Mit herzlichen Wünschen

Ihr Ernst Mayerl

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