Diskussion über Alpinismo e Tecnologia vom Club Academico Italiano

Der Sicherheitsbeauftragte Giuliano Bressan, Venicio Stefanello, Allesandro Gogna, Marco Furlani, Heinz Grill und einige andere Bergsteiger tauschten sich auf dem Podium aus. Alessandro Gogna hielt eine Position aufrecht, die bemerkenswert war und auf großes Interesse stieß. Er unterschied zwischen Technik und Technologie. Technik war für ihn ein neutraler Begriff, während Technologie heute zu stark den Menschen bestimmt und die Sicherheitsfragen in eine einseitige Richtung lenkt. Erwähnt wurden schließlich die Alleingänger Heinz Grill und Maurizio Giordani, die auf alle Technologie verzichteten und nur Kraft ihrer eigenen Kondition durch die Wände kletterten. Die Position von Alessandro Gogna und den Alleingängern wurden schließlich durch einen älteren Mann heftig angegriffen und es wurde der Alpinismo Libero, wie ihn Alessandro Gogna bezeichnete, als einseitig und gefährlich gewertet.

Zuletzt meldeten sich die beiden Alleingänger B. Giordano und H. Grill noch einmal zu Wort. Giordani drückte allem Anschein nach Empörung aus, Heinz Grill eröffnete aber noch einmal die Fragestellung, indem er betonte, dass es nicht um das Alleingehen geht, sondern dass man das Thema, wenn man Alleingänge bewertet, ablenkt und es zwei Seiten gibt die förderungswürdig sind. Die individuelle Reife des Kletterers und die Weiterentwicklung von Technik. Ein Extrem sollte seiner Meinung nach nicht zur Wahrheit hochstilisiert werden.

Aus dem Italienischen übersetzt von Edi Köstner.

Titelbild: sitzend ganz rechts Alessandro Gogna, links daneben Vinicio Stefanello

Bild: Giuliano Bressan wird geehrt vom Präsidenten des CAAI.

 

Ausführungen von Heinz Grill

 

 

Ich habe mich vielfach gefragt, ob das Bergsteigen und vor allem das Klettern mehr Reglementiert werden müsste oder ob es eine ganz freie Spielart für jeden sein sollte.

Soweit ich dies aus den ganzen Informationen über die Tagung in Italien, die vor einigen hundert Personen stattgefunden hat, entnehme, setzt sich vor allem Alessandro Gogna für mehr Freiheit auf dem Gebiet des Alpinismus ein und ärgert sich ganz besonders darüber, dass in Frankreich die Art und Weise von Erstbegehungen vorgeschrieben werden. In Frankreich scheinen nur bestimmte Personen, die eine Ausbildung gemacht haben, eine Erstbegehung machen zu dürfen.

Ihre Meinung würde mich im Allgemeinen zu diesem Thema Interessieren. Ich weiß, es geht weit über Plaisier hinaus, aber ich freue mich über viele Kommentare…..

Bernd

2 Kommentare zu „Diskussion über Alpinismo e Tecnologia vom Club Academico Italiano

  1. Die Ringe sind nun getestet. Sogar die kleineren wurden auf 300 kg Sturz
    getestet und haben alle gehalten. Die Bergführer in Italien sind von diesem
    Material vollkommen überzeugt. Wie ich gehört habe, sind da einige Leute
    aus München unter der Führung eines Sektenreferenten, die das Gegenteil
    behaupten. Sie könnten sich doch auch einmal einem solchen Sicher –
    heitsteam anschließen und die Tests mitbeobachten. Der Sigi-Bolt in
    Österreich beispielsweise war ja gerade das Gegenteil von diesem wirklich
    sicheren Material. Er wurde glücklicherweise nicht mehr eingesetzt, da er
    manchmal auf ungünstige Belastung unter 100 kg ausbrach. Für so etwas
    interessiert sich wohl der Sektenreferent in München nicht.
    Dieses sichere Material, das die Bergsteiger in Arco verwenden,
    wird vielleicht sogar einer sehr unnachsichtigen Inquisition standhalten.
    Edli R.

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  2. Es stellt sich für mich die Frage, was ist Technologie und was ist Technik beim Klettern. Es gibt die Klettertechnik, die Sicherungstechnik, die Abseiltechnik. Technologie wird meist als die Lehre, das Wissen oder die Wissenschaft der Technik definiert. Das würde heißen, Technologie ist z. B das Wissen oder die Wissenschaft der Sicherungstechnik. Das Wissen um die Sicherungstechnik ist das nicht auch etwas ganz neutrales, so wie Alessandro Gogna von der Technik als etwas neutrales spricht? Wird der Mensch nicht erst dadurch sowohl von der Technik als auch der Technologie bestimmt, wenn er die Sicherheit nur in der Anwendung der entsprechenden Technik sieht und diese über alles stellt?

    Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Arten von Sicherheit. Eine äußere Sicherheit, die durch die Sicherungstechnik gewährleistet wird und eine innere Sicherheit, die durch „die Kraft der eigenen Kondition“ wie es im Artikel beschrieben ist, entsteht.

    Jeder Kletterer wird es schon einmal diese innere Sicherheit oder auch Unsicherheit erlebt haben. In derselben Kletterroute kann man sich einmal sehr sicher fühlen und ein anderes Mal unsicher und ängstlich.

    Gerade die Absicherung der Standplätze und auch der Zwischensicherungen war schon immer eine Angelegenheit, die stark diskutiert wurde. Schon 1911 gab es den sogenannten Mauerhakenstreit in der Sektion Bayerland in München, bei dem Kletterer, wie Paul Preuss, Hans Dülfer,, Franz Nieberl oder Tita Piaz über den Einsatz von Haken und Seil diskutierten. Das hat sich bis heute wenig geändert. Zum Mauerhaken sind noch der Bohrhaken und die mobilen Sicherungsmittel wie Friends und Keile gekommen. Immer war die Frage, wie viel an Absicherung ist vertretbar oder nötig.

    Aber es wurde die Diskussion immer unter einem sportlichen und vielleicht noch ethischen Aspekt betrachtet. Die einen plädieren für eine Absicherung, die keine gefährlichen Stürze erlaubt, andere, wie z. B. Paul Preuss es tat, fordern die physische und psychische Überlegenheit des Kletterers über die Schwierigkeit der Route und sehen darin die Gewähr für seine Sicherheit.

    Ein weiterer Aspekt, auf den mich Heinz Grill aufmerksam machte, entsteht, wenn man die seelische Seite des Menschen miteinbezieht und damit die Beziehungsfähigkeit. Es wurde mir bewusst, wie sehr die Sicherheit oder das sich sicher fühlen davon abhängt, mit welcher Einstellung man an die Kletter- oder Bergtour herantritt, ob man glaubt, schnell einmal im Handumdrehen einen Berg zu besteigen oder ob man mit Respekt und bescheidener Haltung an den Berg herantritt.

    Nach meiner jetzigen Erfahrung entsteht diese innere Sicherheit durch die Beziehung, das in Kontakt treten des Kletterers zum Felsen, zur Route oder zum Berg. Fühlt man sich sicher, spürt man auch mehr die Nähe zum Berg, auch zum Seilpartner. Beziehung und Vertrauen entstehen durch eine objektive und bewusste Wahrnehmung der Umgebung, der äußeren Verhältnisse, der Formen und Farben der Felsen, der feinen Strukturen, die Griff- und Trittmöglichkeiten bieten. Diese Wahrnehmung ist oft von Ängsten, Emotionen oder auch einer gewissen Arroganz und Überheblichkeit subjektiv beeinflusst und man nimmt die Tritte und Griffe nicht mehr wahr oder verfehlt die Linie. Ich habe es selbst oft genug erlebt, wie die Angst auf der einen Seite und die Überheblichkeit, das Leistungsdenken oder der Übermut auf der anderen Seite, eine objektive Wahrnehmung der Verhältnisse und Umstände verhinderten. Für die Sicherheit des Kletterers kann es deshalb auch entscheidend sein, dass er sowohl die Umgebung mit wachen Sinnen wahrnimmt als auch sich selbst in seinem seelischen Befinden wahrnimmt und sich korrigiert. Die Angst ist meist eine Folge der Überheblichkeit oder Respektlosigkeit, die man gegenüber dem Berg oder der Route hat.

    Wenn man mit Bedacht und Einfühlungsvermögen eine Route plant und mit Bescheidenheit und Respekt die Bergtour ausführt, wird man nicht so leicht in Bedrängnis kommen und eine spürbare Nähe zum Berg gewinnen, die Sicherheit gibt.

    Franz Heiß

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